Als Mensch und in meiner Funktion im KOV Kreditopferverein habe ich mehrere Schreiben an den Vorstand und einen Kundenbetreuer der Sparkasse Oberösterreich gerichtet. Das letzte Schreiben vom 04.10.2014 lautete wie folgt:

 

Betreff: Causa Bernhard Costa – Softwarefehler Fremdwährungskredite

Sehr geehrter Herr Dr. Michael Rockenschaub,
sehr geehrter Herr Herbert Walzhofer,
sehr geehrter Herr Maximilian Pointner,
sehr geehrter Herr Wolfgang Dicketmüller!

Es war mir persönlich sehr wichtig an der Verhandlung Sparkasse Oberösterreich / Costa Bernhard am 02.10.2014 am LG Linz teilzunehmen. Mit Befremden habe ich bemerkt, dass kein Vertreter der Sparkasse Oberösterreich anwesend war. Für ein Institut, das von sich selbst sagt, dass für Sie in jeder Beziehung die Menschen zählen, hätte das selbstverständlich sein müssen – finden Sie nicht auch?
Aufgrund Ihrer Abwesenheit konnten Sie sich selbst keinen Eindruck von den Geschehnissen bei der Verhandlung machen, darum fühle ich mich verpflichtet, Ihnen meinen persönlichen Eindruck mitzuteilen:
Meine besondere Hochachtung gilt der Richterin, die etwas für Gerichte Ungewöhnliches tat – sie versuchte in einer liebevollen, warmherzigen, weiblichen Art die Hände zu reichen, eine Brücke zu bauen. Eine Brücke zwischen Menschen, die das Kernthema schon längst verlassen haben. Leider scheiterten die Bemühungen letztendlich. Denn der Rechtsvertreter der Sparkasse Oberösterreich wollte die Verhandlung unbedingt fortsetzen.
Viele Anwesende verfolgten diszipliniert und geduldig die Vernehmungen und das gesamte Geschehen. Nach stundenlangen Einvernahmen der Zeugen der Sparkasse Oberösterreich wurde Herr Costa gebeten, in den Zeugenstand zu treten. Anfangs stellte der Rechtsvertreter der Sparkasse Oberösterreich seine durchaus berechtigten Fragen, die Herr Costa geduldig und besonnen beantwortet hat. Doch dann kam ein Fragenkomplex, den Ihr Rechtsvertreter mehrmals wiederholte: Warum haben Sie die Konten nicht schon längst abgeräumt und den Kredit umfinanziert, wenn Sie bereits 2008 das Vertrauen in die Bank verloren haben? Wieso fahren Sie noch auf Urlaub, wenn der Kredit endfällig ist? (Usw. usf.)
Die Antworten waren aufrichtig und für anständige Menschen leicht nachvollziehbar: AGB Sparkasse Oberösterreich, Treu und Glauben, jahrzehntelange Verbundenheit – 40 Jahre war der Vater von Herrn Costa Mitarbeiter der Sparkasse Oberösterreich, fast 25 Jahre stand die Firma Costa in respektvoller Geschäftsbeziehung mit der Sparkasse Oberösterreich. Doch mit all diesen Antworten konnte der Rechtsvertreter Ihres Instituts nichts anfangen. Finden Sie das nicht äußerst bedenklich? Einerseits propagiert Ihr Institut, dass für Sie in jeder Beziehung die Menschen zählen, andererseits lassen Sie sich von einem Anwalt vertreten, dem menschliche Werte offenbar weitgehend fremd sind.
Der Rechtsvertreter Ihres Instituts hat tatsächlich von einem Kunden gefordert, sich dafür zu rechtfertigen, dass er daran geglaubt hat, die Sparkasse Oberösterreich würde sich in der Praxis an Ihre eigenen AGB und ihr eigenes Motto halten. Begreifen Sie die Absurdität dieser Angelegenheit?
Ich befinde mich nun in einem Dilemma. Was rate ich persönlich, was rät das Vereinsteam den Menschen, die beim Kreditopferverein Unterstützung suchen? Wir im Verein leben die Philosophie, dass immer der Mensch im Vordergrund steht, egal was passiert. Wir wissen aus Erfahrung, dass durch achtsame Gespräche miteinander immer Lösungen gefunden werden können und dass Widrigkeiten uns stärken, sofern wir uns die Hände reichen und uns mit offenem Herz begegnen.
Ich führe im Namen unserer Klienten viele Gespräche mit Kundenbetreuern von Banken und merke immer wieder, dass dadurch die Herzen der Menschen erreicht werden. Das ist der Moment, wo wir Lösungen finden, Win-Win Situationen für alle Beteiligten schaffen und das auf gleicher Augenhöhe, achtsam, respektvoll und außergerichtlich.
Was raten Sie mir? Was raten Sie uns? Was sollen wir den Kunden der Sparkasse Oberösterreich, die bei uns Unterstützung suchen, künftig mitteilen? Sofort sämtliche Konten abziehen, umfinanzieren – Gespräche abbrechen, da es fatale Folgen haben kann, wenn man zu lange mit der Bank Gespräche führt und sich auf die Zusicherungen und die Einhaltung der AGB verlässt? Keine Gespräche mehr führen, weil die Gefahr besteht, dass der Rechtsvertreter des Instituts dem Kunden daraus einen Strick dreht und ein jahrelanger Rechtsstreit die Folge sein kann? Nur weg von der Sparkasse Oberösterreich und das, so schnell es geht?
Diese Fragen  sollten mit der Ernsthaftigkeit beantwortet werden, die sie verdienen. Also: was sollen wir Menschen empfehlen, nach dem, was ich am 02.10. erleben durfte?

Denken Sie nicht, es wäre überaus wichtig, dass wir gemeinsam den Sparkasse-Slogan "BRÜECKENBAUER. FÜR UNS ZÄEHLEN DIE REGION UND DIE MENSCHEN, DIE HIER IHRE ZUKUNFT BAUEN" in die Tat umsetzen?
Brücken haben den Zweck, Trennungen zu überwinden. In dieser Angelegenheit sollen Brücken die Menschen verbinden. Um erfolgreich Brücken zu bauen, bedarf es den Einsatz und den Willen beider Seiten, vor allem bedarf es den gemeinsamen Willen, die Vergangenheit, Vergangenheit sein zu lassen.

In diesem Sinne lade ich ein, die Vergangenheit loszulassen und gemeinsam mit den Menschen an der Zukunft zu bauen! Beginnen wir mit dem Brückenbauen – dazu reiche ich meine Hände.

Ich sehe Ihrer Rückäußerung bis zum 10. Oktober 2014 positiv entgegen und verbleibe

mit den besten Grüßen

Isabella Heydarfadai

 

Bedauerlicherweise findet es seitens der Sparkasse Oberösterreich niemand der Mühe wert, darauf zu antworten!
In Sachen Softwarefehler gibt es nun zwei Möglichkeiten: die eine wäre, dass wir betreffend Softwarefehler einem Irrtum unterliegen – dieser wäre in einem aufrichtigen Dialog schnell geklärt. Oder aber: die Sparkasse Oberösterreich weiß von diesem Softwarefehler und dieser betrifft auch noch weitere Institute. Allem Anschein nach will die Sparkasse Oberösterreich diesen Softwarefehler mit allen Mitteln "unter den Tisch kehren".
Nach den uns bekannten Tatsachen sind Kunden der Bank zu Schaden gekommen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit betrifft dieser Softwarefehler tausende von Kunden. Daher unser Aufruf an die Kunden der Sparkasse: Überprüfen Sie Ihre Kreditabrechnungen, insbesonders wenn Sie Fremdwährungskreditkunde sind!
Nach den Geschehnissen im Fall Costa legen wir den Kunden der Sparkasse nahe, sich folgende kritischen Fragen zu stellen: Ist es wirklich vernünftig, Kunde eines Kreditinstituts zu bleiben, das im Falle von Unstimmigkeiten im Stande ist, von Kunden Rechtfertigungen dafür zu fordern, dass sie darauf vertrau(t)en, dass das Unternehmen sich an sein eigenes Motto und seine eigenen AGB halten würde? Ist es wirklich vernünftig, Kunde eines Kreditinstituts zu bleiben, für das Menschen nur in der Werbung, aber im wirklichen Leben offenbar nicht zählen?