26.02.2014, 21:57  von APA

Franz Hörmann: "Wir sind alle Kreditopfer"

WU-Professor Franz Hörmann ergreift die Initiative / Bild: WB EIZINGER Alexandra

Systemkritiker mit WU-Professor Franz Hörmann an vorderer Front wollen 2000 verschuldete Menschen zusammentrommeln und österreichische Banken klagen.

Wien. Banken schaffen Geld aus dem Nichts; der "Unfug des verzinsten Schuldgeldsystems" treibt Menschen in den Ruin, behauptet eine Gruppe heimischer Systemkritiker mit einem WU-Professor an vorderer Front. Sie wollen 2000 verschuldete Menschen zusammentrommeln und österreichische Banken klagen. Der Vorwurf: Ihre Kreditverträge beruhten auf Betrug. Zudem brachte der Verein Anzeige in Sachen Hypo ein.

"Wir sind alle Kreditopfer - auch die Banken und Politiker", sagte Franz Hörmann, Mitbegründer des Ende 2012 ins Leben gerufenen "Kreditopfervereins" und außerordentlicher Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Ihm und seinen Mitstreitern geht es um nichts geringeres als den Umsturz des gegenwärtigen Finanzierungssystems respektive eine neue Geldordnung, die der Realwirtschaft dient - zinsfreie wertstabile Parallelwährungen inklusive.

Geld da, Geld weg

Derzeit, führt Hörmann aus, werde das Gros des Geldes von privaten Banken geschöpft. Das ist das sogenannte Giral- oder Buchgeld. Bankverbindlichkeiten entstünden einfach, indem Kunden einen Kreditvertrag zum Beispiel über 10.000 Euro unterschreiben und Bankmitarbeiter Zahlen auf einem Konto eintragen - und schon seien 10.000 Euro neu geschaffen worden. Wenn der Kredit dann getilgt wird, werde das Geld wieder aus dem Verkehr gezogen, also vernichtet.

Das heiße aber nicht, dass es kein Geld mehr gäbe, würden alle Verbindlichkeiten beglichen. Denn da wären immer noch die Zinsforderungen: Um diese bezahlen zu können, bräuchte es einen neuen Kredit, der Kreislauf begänne von vorne, so die Erklärung des Vereins. Wer umgekehrt seine Geldscheine zur Bank trägt, gebe sein Eigentum auf. Das Geld am Girokonto sei nichts anderes als ein Schuldschein der Bank.

Insofern sei es ein "Märchen", dass Banken bei der Kreditvergabe Refinanzierungskosten entstehen. "Das hätten wir gerne von den Banken nachgewiesen", so Hörmann.

Genau in diese Richtung geht auch die Argumentation der "Streitgenossenschaft" des Vereins: Kreditnehmer hätten ihre Verträge mit den Banken im Irrglauben unterschrieben, es würde ihnen Geld von Sparern geliehen, sie hätten daher oft unrechtmäßige Zinsverhältnisse akzeptiert. Hinzu kommen die Manipulationen der Interbankenzinssätze Libor und Euribor, auf denen Finanzgeschäfte in Billionenhöhe basieren und an die zahlreiche Kredite gekoppelt sind. Seit Ende 2013 die EU Banken deswegen mit 1,7 Mrd. Euro bestraft hat, steht für den Verein fest: "Die Kreditverträge beruhen auf dem Euribor, und der beruht auf Betrug", wie es Reinhold Mannsberger, Initiator des Bankenvolksbegehrens "Banken in die Schranken", ausdrückt.

Bald regent's Klagen

Noch haben die Systemkritiker diese Argumentationen nicht in Klagen gegossen. Bald aber soll es so weit sein, kündigte Vereinsvorsitzende Isabella Heydarfadai an. Rund 250 Personen hätten sich schon gemeldet. "Wir streben eine Sammelklage mit 2.000 Menschen an." Genau genommen müssen Klagswillige aber einzeln gegen ihre jeweilige Bank vor Gericht ziehen, denn Sammelklagen gibt es in Österreich nicht. Der "Kreditopferverein" will sie dabei für 400 bis 800 Euro pro Person unterstützen. In Deutschland ist in diesem Bereich der Frankfurter Wirtschaftsanwalt und "Occupy"-Aktivist Hans Scharpf aktiv; dieser findet ebenfalls, dass Kredite Luftbuchungen sind.

Der österreichische Verein indes legt sich auch auf der strafrechtlichen Seite mit dem "System" an. Vergangene Woche hat Heydarfadai - sie ist zuletzt vor gut einem Jahr bei der Wahlplattform "Mutbürger" in Erscheinung getreten - bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) eine Strafanzeige in Sachen Kärntner Hypo eingebracht. Der Vorwurf: Schuldhafte Verzögerung eines Konkursantrags. Als Beschuldigte werden Bankvorstand, -aufsichtsrat, Task Force sowie involvierte Politiker persönlich ausgemacht. "Egal, was die Hypo-Rettung kosten wird, die Österreicher müssen dafür Wochen oder Monate arbeiten gehen. Die Regierung stiehlt den Österreichern Lebenszeit", wettert Mannsberger.

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    Kommentare

    19 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    Gast: Brabus meint

    Warum gibt es in Österreich nicht die Möglichkeit der Sammelklage ? Wer verhindert, dass Betroffene sich gemeinsam gegen Unrecht wehren können ? Wieso haben unsere Volksvertreter in gesetzgebenden Funktionen diese Anforderungen noch nicht umgesetzt ? Und warum lassen wir uns gefallen, dass der Bürger und Steuerzahler zum zahlenden Deppen degradiert wird, der für alle Fehlleistungen von Einzelpersonen in Politik und Wirtschaft haften muß ?

    verfasst am 27.02.2014, 14:35

    Der Professor hat eine ähnliche sprachliche Diktion wie Josef Hader und kabarettistische Züge sind ihm nicht abzusprechen.
    Dass mit dem Bankbuchungssatz (Soll/Forderung an Kreditnehmer, Haben/Verbindlichkeit gegenüber Kundenguthaben bei Zuteilung) scheinbar Geld aus dem Nichts geschaffen wird, hat er ja gut erkannt. In der Realität stehen hinter diesem "Kunstgeld" natürlich die zukünftigen wirtschaftlichen Aktivitäten des Kreditnehmers und, ganz wichtig, die Sparguthaben, das Geld aus vergangener wirtschaftlicher Tätigkeit. Soweit so klar und ungefährlich. Das Problem war, dass bei Einhaltung dieser gegenseitigen Balance niemals die Gier und Wahnsinnigkeiten einer außer Kontrolle Finanzbranche zu befriedigen war. In klarer Komplizenschaft der Politik, die die Karusselbeschleuniger teilweise sogar aktiv angeleitet hat. Alle haben nun Angst, dem Sparer zu sagen, dass der Tag der finalen Ausbuchung nah ist. Und zwar sehr zurecht.

    verfasst am 27.02.2014, 13:53

    Naja, mit "ungefährlich" hab' ich so ein bißl' mein Problem. Wenn zum Beispiel bei der ALPINE (um einen der jüngsten Fälle heranzuziehen) unbesicherte Kredite in dreistelliger Millionenhöhe ausgereicht werden, dann ist "ungefährlich" eine durchaus gefährliche Feststellung. Wenn daraus dann auch noch ULSG (also mittelbar durch den Steuerzahler besicherte)-Kredite entstehen, hat nimmt Derartiges nicht nur gefährliche sondern vorsätzliche Gestaltungszüge an. Den letzten Satz will man nicht zu Ende denken... wenn er auch seine Berechtigung haben mag...

    verfasst am 27.02.2014, 14:40

    verfasst am 27.02.2014, 10:47

    Gast: GB meint

    Nachtrag: da mittlerweile Bekannt ist, das Computerprogramme automatisiert auf kritische Informationen im Internet suchen kann es natürlich sein, das diese Kommentare hier nur von intelligenten Computern geschrieben werden....(die brauchen keine Substanzen nur die die es programmieren) !

    verfasst am 27.02.2014, 10:40

    Gast: GB meint

    Also die Kommentare hier sind ja grausam....da gibt es wirklich Menschen, die glauben das unser System dem Volk dient....welche Drogen muss man nehmen um das zu glauben....? Bitte um Bekanntgabe der Substanz und der Menge bitte vielleicht kann ich ja helfen!

    verfasst am 27.02.2014, 10:29

    biker meint

    Dass ein derartiger Träumer und Realitätsverweigerer an der WU vortragen darf, verwundert mich schon sehr. Man kann ja - durchaus auch verrückte - Visionen haben, aber als Universitätsprofessor sollte man solchen wirtschaftlichen und inhaltlichen Schwachsinn nicht verzapfen, der Mann wird schließlich aus Steuergeldern bezahlt und sollte den Studenten an der WU Wissen vermitteln, auf welchem sie ihre berufliche Zukunft aufbauen können!

    verfasst am 27.02.2014, 08:58

    Gast: Sophie meint

    "Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen mag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr "Herr", wer sie aufzuklären versucht stets ihr Opfer." GUSTAV LE BON

    verfasst am 01.03.2014, 13:17

    Ein extrem unsachlicher und inhaltsloser Kommentar.

    Biker, oft ist es besser zu schweigen und als Idiot verdächtigt zu werden, als etwas zu schreiben und alle Zweifel daran zu zerstreuen.

    Wo sind denn ihre Alternativen?
    Was ist denn so toll am jetzigen Geld-, Kredit- und Schuldensystem?

    Ich selber vertrete mit meinen Unternehmen die Realwirtschaft und kann nur bestätigen: So wie bisher kann und wird es nicht weiter gehen.
    Biker, begeben sie sich mal in die Realwirtschaft und lernen sie, staunen sie und verstehen sie.

    verfasst am 27.02.2014, 09:36

    Beste Information, die zum Thema Geld derzeit zu finden ist: Gratulation Franz Hörmann

    verfasst am 26.02.2014, 19:22

    So ein Schwachsinn! Und der wird auch noch gedruckt ....
    Super Referenz für die WU.

    verfasst am 26.02.2014, 18:03

    Josef, vielleicht hilft ihnen ein Zitat:

    “Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, daß aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System ihnen feindlich ist.”

    - Gebrüder Rothschild, London, am 28.Juni 1863 an US-Geschäftspartner

    verfasst am 27.02.2014, 17:26

    Ja, Superreferenz! Ich bin stolz, dass es derartige Professoren gibt! Schon etwas vom Fall Daly vs. First National Bank of Montgomery, Credit River Decision gehört? Wahrscheinlich nicht, sonst könnte man nicht so unbedarft posten. Es ist unzweifelhaft, dass eine Kreditvergabe durch eine bloße Buchung ohne irgendeinen konkreten Gegenwert "erzeugt" wird. Dazu muss man sich nur ein einziges Mal eine Bankbilanz angesehen (und sie verstanden haben), was bei Ihnen ganz offensichtlich nicht der Fall ist. Also bitte, bitte keine Kommentare, wenn man nicht einmal annähernd weiß, worum es eigentlich geht. Schon mal die Frage gestellt, weshalb die Banken so massive Probleme mit Basel III haben?

    verfasst am 27.02.2014, 13:12

    freigeld meint

    Oje, schon wieder "Halbwissen" ohne echtes Wissen.

    Die Hypo Klage werde ich interssiert verfolgen, ist eine gute Idee.

    Dass die Geldschöpfung momentan nicht gut läuft haben also sogar Wirtschaftsproffessoren bereits erkannt, bravo!

    Nur, "zinsfreie wertstabile Parallelwährungen" sind keine wirkliche Alternative.
    Die einzige Chance die uns bleibt ist die Geldschöpfung durch den Staat und dessen rigoroses Auftreten gegenüber Banken, Börsen und Hedgefonds. Deshalb lautet die dDevise: "Verstaatlicht die EZB und alle Zentralbanken"

    1% Umsatzsteuer auf alle Transaktionen an Börsen, Terminmärkten und OTC würden dem ganzen Unfug einen Riegel vorschieben und die Marktmanipulationen, die es ja auf ALLEN diesen freien Märkten gibt eindämmen.

    verfasst am 26.02.2014, 16:42

    Ist aber schon blöd wenn Staat und Banken eine Einheit bilden !

    Und diese Einheit hat nur ein Ziel, die Versklavung des Volkes.
    Da sich aber die Sklaventreiber ( Beamte ) am stärksten vermehren, kommt es irgendwann zum Crash.

    verfasst am 26.02.2014, 22:15

    freigeld meint

    Oje, schon wieder Halbwissen mit gar keinem Wissen,...nur Platitüden.

    Gute Initiantive bezüglich Hypo, bin gespannt auf die Klage.

    Dass die Geldschöpfung momentan so funktioniert ist nun wirklich kein Geheimnis, da kommen sogar Wirtschaftsprofessoren drauf, beachtlich! Nur ist die Schaffung von "zinsfreien wertstabilen Parallelwährungen" echt keine adequate Alternative. Der Staat muss das Geldschöpfungsmonopol wieder an sich reissen und die Banken ordentlich reglementieren, damit verhindert man das ganze Schlamassel für die Bürger und den Staat gleich mit!
    Dann müssen Börsen-, Termin- und OTC-Geschäfte mit einer 1% Umsatzsteuer belegt werden (um die betrügerischen Ausschläge nach oben und unten zu verhindern) und schon haben wieder alle Platz im System. Zu gutter Letzt müssen die frei werdenden Mittel in Programme für Infrastruktur, Ausbildung, Sicherheit und Forschung gesteckt werden damit wir einen echten Aufschwung bekommen und nicht die Stagflation wie in den letzten Jahrzehnten!

    verfasst am 26.02.2014, 16:30

    Auch gegen die bewußte Verzögerung des Rechtsinstituts einer Sammelklage (seit den 80er Jahren werden hier Bemühungen nach einem derartigen Instrument mit vollkommener Absicht blockiert!) müßte endlich vorgegangen werden. Tolle Initiative von Prof. Hörmann. Fein, dass jemand dem sinnentleerenden Gebrabbel von Nowotny & Co. etwas entgegesetzt! Die flächendeckende Verantwortungslosigkeit im Bereich der Finanzindustrie reicht einfach uns allen... Danke!

    verfasst am 26.02.2014, 15:34

    Konfisziert die Gelder jener Bankdirektoren, deren Geldinstitute in Verruf geraten sind und jagt sie mit nassen Fetzen zum Teufel!

    verfasst am 26.02.2014, 15:24

    WU Professoren sind Kreditgewinner !

    Staat nimmt Kredit auf und gibt das Geld, unabhängig von deren Leistung, an die Professoren und andere Beamte weiter.

    verfasst am 26.02.2014, 15:17

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